
Wir gedenken heute der Befreiung des KZ Auschwitz, dessen Namen DAS traurige Symbol für den deutschen Rassenwahn des Nationalsozialismus ist. Allein 6 Millionen Jüdinnen und Juden wurden während der Shoah allein aus dem Grund einer barbarischen Ideologie vernichtet.
Der Philosoph Theodor W. Adorno formulierte aus diesem Grunde in seinem Essay „Erziehung nach Auschwitz“ seinen kategorischen Imperativ „»Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts Ähnliches geschehe“
Wo stehen wir nun heute? Seit der Wiedervereinigung wurden in Deutschland wurden 182 Menschen von von Neonazis ermordet, eine aktuelle Studie belegt, dass circa 20% der Deutschen zumindest latent antisemitische Ressentiments besitzen, recht Kreise rufen einen Kampf um Parlamente, Straßen und Köpfe aus und versuchen „national befreite Zonen“ zu schaffen. Eine rechte Terrorzelle meuchelt angeblich unbemerkt 10 Menschen und wird dabei sogar noch vom Verfassungsschutz unterstützt. Neonazis verstärken nach dem Bekanntwerden der Mordserie noch ihren Druck auf der Straße und terrorisieren den politischen Gegner.
Es scheint also fast so als ob dieser Kategorische Imperativ keinerlei gesellschaftliche Geltung besitzt.
Aber bewegen wir unseren Blick doch einmal weg vom angeblichen rechten Rand, hinein in die sogenannte Mitte der Gesellschaft: Nach einem großen Aufschrei der Empörung ist auch hier leider nicht mehr viel geblieben von einem antifaschistischen Konsens. Eine Familienministerin warnt weiterhin vor jedem politischen Extremismus, spaltet Antifaschist_Innen in anständige, also demokratische, und unanständige, also sogenannte Extremisten. Und warum? Nur weil diese institutionelle Ebene die Definitionsmacht darüber was angeblich demokratisch und was extremistisch sein soll besitzt. Durch die Extremismusklausel, die unterschrieben werden muss, wenn man auf öffentliche Fördergelder zugreifen will, werden vielen bedeutenden antifaschistischen und antirassistischen Projekten die finanziellen Mittel entzogen und ihre wichtige Arbeit im Kampf gegen Rechts behindert oder sogar zunichte gemacht. Der Extremismus-Begriff verharmlost Rassismus, Antisemitismus und andere Ungleichwertigkeits-Ideologien. Er ist Wasser auf den Mühlen der Neonazis. Er verhöhnt die Opfer und Widerstandskämpfer_Innen gegen den nationalsozialistischen Terror. Er verkürzt die politische Realität und ist in der Wissenschaft höchst umstritten. Er vermittel nur das Bild einer immer stärker verschwimmenden „Feinmasse“ und diskreditiert dabei antifaschistische Bewegungen.
Also auch hier ist ein Denken und handeln nach diesem Kategorischen Imperativ nicht zu erkennen.
Doch es gibt auch dinge die Mut machen. Es gibt weiterhin Menschen, die sich bewusst gegen Rechts engagieren und sich nicht von Neonazis, konservativen Politiker_Innen oder kalten Kriegsideolog_Innen einschüchtern lassen. Wir alle müssen weiterhin politische Forderungen formulieren und artikulieren, z.B. ein Verbot aller rechten Parteien und Organisationen und die Abschaffung der Extremismusklausel. Wir als antifaschistische Bewegung werden und auf keinen Fall spalten lassen.
Zusätzlich dürfen wir den Nazis nicht die Straße überlassen und weiterhin Flagge zeigen für eine Gesellschaft frei von rassistischen, antisemitischen, sexistischen und sonstigen menschenverachtenden Ideologien.
Wenn ich mich hier umsehe freue ich mich, dass es doch einige gibt, die sich diesen Kategorischen Imperativ zu Herzen genommen und aus der Geschichte gelernt haben. Nur als breiten, antifaschistischen Bewegung ist es uns möglich eine Welt zu schaffen in der Auschwitz nie wieder Realität sein kann. Abschließend möchte ich deshalb einige Zeilen aus dem Schwur von Buchenwald zitieren, die heute wie damals immernoch Geltung haben:
Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung.
Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.