Archiv für 20. Dezember 2011

Filmabend “The Truth lies in Rostock”

Als Auftakt der Veranstaltungsreihe “Bildung verändert” gibt es zuerst einen Filmabend.
Rassistische Gewalttaten sind keine Erfindung der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“. Die bundesdeutsche Geschichte ist voll davon. 1992 fanden in Rostock-Lichtenhagen massive rassistische Ausschreitungen gegen die Zentrale Annahmestelle für Asylbewerber statt.
Eine Woche lang, vom 22. bis zum 26. August 1992, griffen mehrere hundert junge Rechtsradikale die Flüchtlingsunterkunft und ein von vietnamesischen VertragsarbeiterInnen bewohntes Haus im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen an. Unterstützt wurde der Mob von über tausend ganz normalen Deutschen, die Polizei griff kaum ein.
Am 28.12.2011 zeigt [`solid] Nürnberg den Dokumentarfilm „The Truth lies in Rostock“ über diesen rassistischen Angriff.
Beginn ist um 19 Uhr, im Linksjugend [`solid] Landesbüro in der Humboldtstr. 104, Nürnberg.
Getränke gibt es gegen Spende.

Danach ist noch Zeit zum diskutieren.

Extremismustheorie? Was soll das denn bitte?

Immer wieder spricht sich die scheinbare „Mitte der Gesellschaft“ gegen jeden politischen Extremismus aus und beruft sich dabei explizit oder implizit auf die sogenannte Totalitarismustheorie. Allerdings geht es hierbei nicht um Kritik an Totalitarismus, in Form von totaler Herrschaft, wie mensch eigentlich denken könnte, sondern um Gleichsetzung in der einfachen Form links gleich rechts.

Warum aber nun ist das falsch und gefährlich? Selbst “Die Zeit” forderte in einem Artikel vom 24.11.2011: „Schafft das Wort Extremismus ab!“ Ihre Begründung: Links und Rechts sind nicht vergleichbar, auf der einen Seite geht es um Menschen die versuchen „gesellschaftliche Güter – Geld, Bodenschätze, Arbeitskraft – radikal um[zu]verteilen“, auf der anderen Neonazis, die Menschen „(dis-)qualifizieren vor allem nach angeborenen Merkmalen: Ethnie, Hautfarbe, Geschlecht. Deshalb ist ihre Weltsicht selbst dann menschenverachtend, wenn sie gewaltfrei auftreten.“

Aber es ist falsch ausschließlich zu kritisieren, dass durch den Extremismusbegriff nur links und rechts gleich gesetzt werden. Im Zuge dieser Theorie wird die bundesdeutsche Gesellschaft und verbunden damit das politische System viel zu vereinfacht dargestellt. Mensch kann es sich wie einen Kreis vorstellen. Dieser besitzt zwei Pole. Der eine ist die „demokratische Mitte“. Von diesem kann mensch sich nun entweder nach rechts oder links wegbewegen. In welche Richtung ist aber eigentlich egal, denn egal wohin, alles trifft im anderen Pol, dem Extremismus, zusammen.

Die Mitte ist nun von recht und links, von einer immer stärker verschwimmenden „Feindmasse“, dauerhaft gleichermaßen bedroht. Damit wird der existierenden politischen Vielschichtigkeit nicht einmal annähernd nahe gekommen. In dem einfachen „Gut-Böse“-Schema, ist die Mitte frei von jeder Kritik.

Ideologien der Ungleichheit werden einem rechten Rand oder Extremisten ganz im allgemeinen, angehängt, und mensch vergisst dabei, dass gerade diese Ideologien in der scheinbaren Mitte schon lang, nicht erst seit Sarrazin, angekommen sind. Immer wieder zeigen Studien, etwa von der Friedrich-Ebert-Stiftung, das Rassismus, Chauvinismus, Sozialdarwinismus und Antisemitismus kein Phänomen am Rand, sondern eine Weltbilder inmitten der Gesellschaft sind. Genau diese Logik ist es, die Abschottung und menschenverachtende Handlungen gegen Flüchtlinge legitimiert, da sie von der demokratischen Mitte begangen und abgesegnet werden, während Antifaschist_Innen kriminalisiert werden, weil sie aktiv gegen Nazis eintreten.

Der Extremismus-Begriff verharmlost Rassismus, Antisemitismus und andere Ungleichwertigkeits-Ideologien. Er verhöhnt die Opfer und Widerstandskämpfer_Innen gegen den nationalsozialistischen Terror. Er verkürzt die politische Realität und ist in der Wissenschaft höchst umstritten. Wozu dient denn nun dieser Begriff eigentlich? Der Extremismus-Begriff ist eine politische Waffe, um Bewegungen mit emanzipatorischen und antifaschistischem Anspruch in der Öffentlichkeit zu diskreditieren.

Gegen die Verharmlosung von Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus! 

Gegen den Extremismus-Begriff und für mehr Nachdenken!

Aktiv werden gegen Nazis!

Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.

Aus dem Schwur der Überlebenden des KZ-Buchwald

66 Jahre nach der Befreiung Europas ist die Vernichtung des Nazismus und die Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit leider immer noch nicht real.

Gerade in der Region Nürnberg folgt eine Nachricht über faschistische und neonazistische Aktivität der Nächsten.

Über Jahre mordete der “Nationalsozialistische Untergrund” in der ganzen BRD unter anderem drei mal in Nürnberg. Selbst offizielle Stellen vermuten nun das es Verbindungen der rechten Terrorzelle nach Nürnberg gab.

In Langenzenn hetzt das neonazistische Netzwerk “Freies Netz Süd” gegen das Jugendzentrum “Alte Post” und schlussendlich wird dort das Konzert “Bunt statt braun”, das von antifaschistischen Jugendlichen organisiert wird und von offiziellen Stellen abgesagt wird, und somit schließlich den Nazis in die Hände spielt.

In Fürth wird das Auto eines Aktivisten der “Antifaschistischen Linken Fürth” angezündet und die Polizei ist sich nicht sicherm ob es sich dabei um einen rechten Hintergrund handelt.

In Weißenburg und Umgebung tauchen Graffitis mit ganz offen nazistischen Inhalten auf. Auf das örtliche selbstverwaltete Jugendzentrum (JuZ), das seit Jahren aktiv gegen rechts ist, wird gesprayt: “Wir kriegen euch alle”. Dazu war auf der Internetseite der örtlichen Neonazikameradschaft zu lesen: “Das ist keine Drohung, sondern ein Versprechen.” Kurze Zeit später wird nach einer Kundgebung das JuZ eben von diesen Neonazis mit Böllern und begalischen Fackeln angegriffen, ein “Nie wieder Faschismus”-Transparent verbrannt und zwei Menschen verletzt.

Zeitgleich sitzen immer noch Sebastian Schmaus, Anti-Antifaaktivist, und Ralf Ollert, Landes- und Bezirksvorsitzender der NPD, für die NPD-Tarnliste “Bürgerinitiative Ausländerstopp” im Nürnberger Stadtrat.

Mensch sieht, dass es ist im Moment wieder unglaublich wichtig ist aktiv Widerstand gegen Rechts zu leisten.

Daher rufen auf sich an folgenden Aktionen zu beteiligen:

9.12.2011, 16 Uhr: Mahnwache und Demo gegen rechten Terror in Nürnberg, Scharrerstraße, in der Nähe des Tatorts 2005

10.12.2011: Kundgebung  ”Naziterror stoppen! Verfassungsschutz abschaffen!”, Fürth (weitere Infos in Kürze)

10.12.2011, 17 Uhr: Kundgebung: Frei von Furcht in Deutschland leben – kein Platz für Neonazis!, Martin-Luther-Platz Weißenburg

 

Außerdem laden wir jeden ein, mit uns antifaschistischen Widerstand zu organisieren. Schaut einfach mal vorbei! Jeden zweiten Mittwoch, Humboldtstr. 104, Nürnberg, oder schreibt uns einfach mal eine Mail.

Mitmachen, Selbermachen, Faschismus kaputtmachen!