Archiv für 31. Januar 2013

Gesellschaft. Alltag. Sexismus.

Wir dokumentieren hier einen lesenswerten Text zur aktuellen Sexismusdebatte des Bundesarbeitskreis Queer der Linksjugend ['solid]:

Seit Bekanntwerden des Falls Brüderle meldeten sich zahlreiche Menschen zu Wort um ihre Meinung medial preiszugeben. Dass dabei nicht nur parteipolitische Schutzmechanismen hochgefahren werden, war kaum anderes zu erwarten. So kommt besonders in der Politpresse ein gesellschaftliches Bild zum Vorschein, das den politischen Rahmen längst verlassen hat. Wenn Parteikollegen Brüderle in Schutz nehmen, ist das weder eine politische Posse noch ein Freundschaftsdienst. Politik als Problemlösungsinstrument gesellschaftlichen Zusammenlebens spiegelt immer auch gesellschaftliche Umstände wider und offenbart tief sitzende patriarchale Wurzeln.
Doch etwas Gutes hat die Debatte: Unter dem Hashtag #aufschrei melden sich bei Twitter zahlreiche Betroffene zu Wort, um persönlicher Erfahrungen sexistischer Beleidigungen oder sexueller Belästigungen und Übergriffe mitzuteilen. Die Flut an neuen Meldungen zeigt ebenso deutlich die Dringlichkeit dieses Themas wie der Versuch mittels chauvinistische Kommentare das Ganze abzuwiegeln oder zu verharmlosen oder schlimmer noch, es zu erklären. Dass es mittlerweile unter alltagssexismus.de einen moderierten Raum gibt, um ebenfalls Erfahrungen zu berichten ohne dabei auf allfällige Trolle oder sexistische Vollidioten zu stoßen oder das Beratungsstellen vermehrt Zulauf bekommen, ändert allerdings nichts am Problem selbst.

Hat die Debatte wirklich etwas Gutes? Während manche versuchen, derartige Äußerungen schönzureden oder zu erklären, versuchen andere den Unterschied zwischen Flirt und Belästigung herauszufinden und wieder andere stellen sich die Frage, ob es den ‚Fall Brüderle’ überhaupt gibt. Zwar sind hier durchaus unterschiedliche Standpunkte vertreten, die doch alle eins gemeinsam haben. Sie ändern nichts am Sexismus. Sie bauen darauf auf, sie thematisieren ihn, sie spielen damit. Aber sie ändern nichts.
Sicherlich ist es nicht falsch über Sexismus zu reden, doch ist es grundfalsch über was eigentlich geredet wird. Sexismus ist kein Thema der Nachrichten. Sexismus taucht nicht hier und da einfach mal auf. Sexismus wird auch nicht gemacht. Sexismus ist ein Phänomen, dessen Grundlage eine normative bipolare Geschlechtlichkeit ist. Der Unterschied zwischen Mann und Frau und deren jeweilige Rolle ist gesellschaftlich festgeschrieben. Sexismus war noch nie ein Phänomen, das nur in der Politik, der Wirtschaft oder am Arbeitsplatz zu beobachten ist. Nein, es ist ein Problem, das inmitten der Gesellschaft verankert ist. Sexistische Stereotype werden durch die Gesellschaft transportiert und im Alltag (re)produziert.
„Wir brauchen mal zwei starke Männer.“ „Frauen zahlen keine Eintritt.“ „Lesben sind voll sexy.“ „Zieh dir einen Rock an und flenn’.“ „Warum hat eine schöne Frau wie du keinen Freund?“ „Solange die Bauarbeiter noch hinter mir her pfeifen…“ Alle diese Sprüche können wir täglich hören. Sie sind keinesfalls eine Seltenheit, doch werden sie allzu oft nicht wahrgenommen. Sie werden belächelt, überhört oder ignoriert. Drastisch offener sang es Linda Hesse, die weinen und sich im engen Kleid verführen lassen kann, denn sie ist ja kein Mann. Dass dieses Lied im Rundfunk gespielt wird, indiziert das Problem zur Genüge und zeigt an, wie tief es eigentlich sitzt.

Wenngleich es wichtig ist, über das Thema Sexismus zu reden und es publik zu machen, ist es damit längst nicht getan. Wenn die positive Botschaft der Debatte „Viele Frauen fühlen sich bestätigt, viele Männer verunsichert.“ ist, wurde nichts verstanden. Wertgeladene Rollenbilder und Rollenverhalten bloß aus der Öffentlichkeit zu verdrängen, ist nichts anderes als der Hydra den Kopf wieder und wieder abzuschlagen ohne ihn auszubrennen. Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität sind Grundprobleme, die in der Debatte verschwiegen werden.
Erst wenn nicht mehr die Rede von männlichen und weiblichen Berufsfeldern ist, erst wenn es keine rosa Überraschungseier „nur für Mädchen“ gibt und erst wenn es keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt, die nicht wegerzogen werden können, dann ist etwas verstanden worden.

Pressemitteilung zur Flughafenanbindung Nord

Im Bericht der Nürnberger Nachrichten über den 10 Punkte Plan der CSU-Fraktion im Nürnberger Rathaus forderte diese: „Die Denkpause in Sachen Nordanbindung muss heuer beendet werden“.

Dazu erklär die Linksjugend ['solid] Nürnberg:

„Wir sind da ganz ähnlicher Meinung wie die CSU-Fraktion. In der Debatte um die Nordanbindung sollte endlich wieder angefangen werden nachzudenken.“ Der Jugendverband spricht sich für ein sofortiges Ende der Planungen der Flughafennordanbindung aus. Die wichtigsten Gründe hierfür führt die Nürnberger Linksjugend folgendermaßen aus:

„Eines der wichtigsten Naherholungsgebiete im Nürnberger Norden würde zerstört/zerschnitten und entwertet werden. Durch den zusätzlichen Lärm und Abgase der Autos würde die Erholungsqualität des Waldes drastisch eingeschränkt werden.
Die Autobahnanbindung zerstört Teile des Bannwaldes und bedeutet noch mehr Grün mit Beton zu überziehen. Einschränkungen für das dortige Waldleben wären erheblich! Zu nennen sind hier z. B. mehrere hundert Jahre alte Eichen, Vogelschutzgebiete etc..
Außerdem kommt es uns sehr komisch vor das schädlichste Transportmittel, das Flugzeug, durch mehr Straßenverkehr zu unterstützen.
Wir wollen eine lebendige, lebenswerte Stadt und keine Graue Betonwüste zu Kosten unserer Umwelt!“ Weiterhin erklärt sie:

„Aktuell dauert die Fahrtzeit von der Autobahn zum Flughafen geschätzte 11,5 Minuten. Diese wird voraussichtlich durch die Nordanbindung um 5 Minuten verkürzt werden. Wir halten das für einen schlechten Witz. Vielmehr sehen wir hier den Versuch das Gewerbegebiet auszubauen. Anstatt für den Autoverkehr zu werben, sollte vielleicht eher für die U Bahn Linie geworben werden. Wir wollen nicht noch mehr Projekte zu Lasten oder Zerstörung des letzten bisschen Natur, um eventuelle Gewinne zu erzielen und mehr Straßenverkehr zu bewirken.Das Projekt wird voraussichtlich 52 Millionen Euro kosten. Dieses Geld sollte besser in den Ausbau von Radwegen und der energetischen Sanierung gesteckt werde. Uns fallen hier tausend bessere Gründe ein, als eine unnötige Straße durch ein Naturschutzgebiet zu bauen.

Mittlerweile ist jedoch bekanntgeworden, dass Löschschaumrückstände im Boden und Grundwasser entdeckt wurden. Was den Bau unmöglich machen sollte.
Dennoch hat die CSU es auf ihrem „10-Punkte-Plan“ stehen. Summa Summarum: Ein so sau blödes Projekt, das endgültig aufgegeben werden muss.“

Bildungsabend zur Vorstellung unseres Kommunalwahlprogramms wird verschoben

Der auf unseren Flyern für Mittwoch, den 30.01., festgelegte Bildungsabend wird verschoben.
Dieser wird stattdessen am Mittwoch, den 06.02. stattfinden.
Jedoch zur gleichen Uhrzeit und am gleichen Ort.
Wir bitten dies zu Entschuldigen.

 

Redebeitrag bei der Demo gegen Studiengebühren

Wir dokumentieren hier unseren Redebeitrag vom 12.1.2013 bei der Demo zur Abschaffung der Studiengebühren.

Die in Bayern weiterhin erhobenen Studiengebühren für den Hochschulzugang befördern soziale Selektion und Ausgrenzung im bayerischen Bildungssystem. Der Schritt zu ihrer Abschaffung ist von daher längst überfällig. ['solid] Nürnberg begrüßt die Zulassung des Volksbegehrens zur Abschaffung der Studiengebühren ausdrücklich. Um in Bayern ein wirklich demokratisches und sozial gerechtes Bildungssystem zu erreichen, liegt allerdings noch ein weiter Weg vor uns.
Der Freistaat Bayern gehört mit Niedersachsen zu den letzten zwei Bundesländern, die von ihren Studierenden Semester um Semester Geld verlangen, damit diese an den Hochschulen immatrikuliert bleiben dürfen. Die Studienbedingungen werden durch die sogenannten Semesterbeiträge in den meisten Fällen nicht verbessert. Vor einiger Zeit wurde ein internes Papier des bayerischen Wissenschaftsministeriums bekannt, in dem Wissenschaftsminister Heubisch die Hochschulen aufforderte, endlich die durch die Studiengebühren eingenommenen Gelder auszugeben, da sie sich zu Millionen auf den Konten der Hochschulen stapeln würden. Dieses Statement von Seiten der Urheber kommt für uns einer Bankrotterklärung des Studiengebührensystems gleich: Die Studiengebühren erreichen nicht einmal das bei der Einführung angestrebte Minimalziel, die Hochschulen sinnvoll mit benötigten Geldern auszustatten.
Die Abschaffung von Studiengebühren wäre, auch wenn wir sie begrüßen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Bildungssystem in Bayern betreibt nämlich auch ohne Studiengebühren soziale Auslese auf hohem Niveau. Viele schaffen es nämlich gar nicht so weit, die Hochschulreife zu erwerben. Ausschlaggebender Punkt hierfür ist der Geldbeutel der Eltern. Wir kämpfen aber für ein Bildungssystem, in dem die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Schüler*innen im Mittelpunkt stehen und nicht deren soziale Herkunft. Deswegen fordern wir die Einführung eines G10. Damit meinen wir nicht eine Verlängerung des Gymnasiums um 2 Jahre, sondern die Einführung einer verpflichtenden Gesamtschule bis zum 10. Schuljahr mit modularisierten Unterrichtsfächern, die den persönlichen Fähigkeiten der Schüler*innen gerecht werden. Der Hochschulzugang sollte sich anhand dieser individuellen Fähigkeiten richten, und nicht nach der simplen Tatsache, einen gesonderten Schulweg in sämtlichen Fächern abgeschlossen zu haben.
Ein weiteres gravierendes Defizit der öffentlichen Schulen und Hochschulen ist die fehlende Mitbestimmung von SchülerInnen und Studierenden. Gerade die Universität, aber auch die Schule ist ein Musterbeispiel für öffentlichen Raum. Öffentlicher Raum muss aber von allen, die ihn auch nutzen mitgestaltet werden können. Deshalb sollte SMV keine leere Worthülsen, sondern eine echte Schülermitverwaltung sein. Außerdem muss die Verfasste Studierendenschaft in Bayern unverzüglich eingeführt werden.
Die Linksjugend ['solid] Bayern unterstützt das Volksbegehren gegen Studiengebühren. Denn gerade Studierende aus einkommensschwachen Familien werden dadurch extrem entlastet. „Bildung ist und soll Aufgabe des Staates bleiben. Wenn die Landesregierung meint, die Unis wären unterfinanziert, dann ist für uns die logische Folge davon, mehr in die staatlichen Bildungseinrichtungen zu investieren. Investitionen in Bildung sind immer nachhaltige Investionen.

Wir wollen außerdem noch ein paar Worte dazu verlieren, ob es nicht ungerecht sei, wenn Universität mit Abschaffung der Studiengebühren stärker von Steuergeldern abhängig wären und somit auch Nichtstudierende für die Privilegien der Bildungselite zahlen müssen?
Ohne Studiengebühren müssten die Universitäten verstärkt über die Steuern finanziert werden. Somit ist eine staatliche Studienfinanzierung immer nur so sozial, wie es das geltende Steuersystem ist. Und seit Jahrzehnten bauen die Regierungen die soziale Umverteilung von oben nach unten ab, entlasten Reiche und Unternehmen und die sozial Schwächeren müssen die Kosten tragen. Dieses Problem kann aber nur über ein gerechteres Steuersystem gelöst werden, so wie wir es schon seit Jahren fordern.
Studiengebühren sperren aber die sozial Schwächeren grundsätzlich von der Möglichkeit höherer Bildung aus. Diese Ungerechtigkeit ließe sich auch nicht durch ein sozialeres Steuersystem beheben. Wir finden deswegen, dass Studiengebühren unbedingt abgeschafft gehören. Denn auch die größten Steuererleichterungen helfen nicht, wenn ein Teil der Gesellschaft von vornherein vom Genuss einer höheren Bildung ausgeschlossen wird.
Zuletzt noch ein paar mahnende Wort an die hier anwesenden Studierenden:
Studiengebühren wären in den letzten Jahren immer ein Motor für die Bildungsprotestbewegung. Bitte macht trotz absehbarem Wegfall der Studiengebühren trotzdem weiter mit euren Protesten. Gerade im bayerischen Bildungssystem ist noch so vieles, was es sich lohnen würde zu verändern.

NOWKR: Info- und Mobiveranstaltung gegen den 1. Wiener Akademikerball

Wann? Freitag, 11.1.13 19uhr
Wo? Komm e.V., Untere Seitenstr. 1 Nürnberg

Am 1. Februar 2013 findet in der Wiener Hofburg der 1. Wiener Akademikerball statt. Dass es  sich beim Akademikerball um die Neuauflage des WKR-Balls handelt, also jenen Ball der durch den Druck antifaschistischer Proteste seit 2012 nicht mehr in der Hofburg stattfinden kann, verbergen die Veranstaler keineswegs. Die Adresse wkr-ball.at führt automatisch zum Wiener Akademikerball und der WKR-Ballausschuss lädt zum neuen Event mit den Worten: “Der Wiener Akademikerball ist ein Ball von Korporierten für Korporierte.” Und das obwohl es doch offiziell eine FPÖ-Veranstaltung ist… Als hätte es in der Vergangenheit nicht schon genug stichhaltige Beweise für die enge Verstrickung von deutschnationalen Verbindungen und freiheitlicher Partei
gegeben, liefert die FPÖ nun einen weiteren Beleg.

Dieses Jahr wird die Mobilisierung gegen den Wiener Akademikerball 2013 unter dem Motto “Nein, wir lieben dieses Land und seine Leute nicht!” mit einer inhaltlichen Vortragsreihe, bestehend aus fünf Veranstaltungen, unterfüttert. Es geht uns dabei um nichts weniger, als die österreichischen Zustände zu skandalisieren und anzugreifen. Wir haben uns bewusst dazu entschlossen das Thema Burschenschaften zu vernachlässigen um mit unserer  Veranstaltungsreihe den Fokus auf Rassismus, Antifeminismus, Antisemitismus und dessen gesellschaftliche Bedingtheit zu legen, sowie eine adäquate Kritik der Nation zu formulieren. Denn der WKR-Ball ist nur die Spitze eines reaktionären Eisbergs. Den WKR-Ball unmöglich machen bedeutet also nicht nur ein Event und Vernetzungstreffen europäischer Rechtsparteien zu verhindern, sondern die gesellschaftlichen Verhältnisse aufzuheben, welche reaktionäre Ideologien aller Couleur erst hervorbringen.

Bei der Veranstaltung gibt es natürlich die neuesten Infos rund um die Proteste und Mobilisierungen gegen den Wiener Akademikerball 2013.