Archiv für 23. Oktober 2013

Offener Brief an das CVJM-Haus

Zusammen mit anderen Organisationen haben wir einen offenen Brief an das CVJM-Haus in Nürnberg verfasst. Dort soll eine Veranstaltung mit der Autorin Gabriele Kuby stattfinden.

 

Nürnberg, den 22.10.2013

 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Hausverwaltung des CVJM-Hauses am Kornmarkt,

wie uns vor wenigen Tagen bekannt wurde, soll in den Räumen des CVJM-Hauses am 3.11.2013 um 17:00 Uhr ein Vortrag zu dem Thema „Die globale sexuelle Revolution – Gender Mainstreaming in der Kritik“ stattfinden. Als Referentin hierzu – so war zu lesen – sei die Autorin Gabriele Kuby eingeladen. Als Veranstalter tritt hierzu die „Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der evangelischen Kirche Region Nordbayern“ auf.

Nun scheint es uns durchaus sinnvoll sich mit Themen wie Sexualisierung der Gesellschaft oder Gender Mainstreaming, auch kritisch, zu beschäftigen, nur in diesem Falle ist die Perspektive eine eindeutig Falsche. Zu kritisieren wäre etwa, das durch eine anhaltende Sexualisierung ein Frauenbild in der Gesellschaft verankert wird, welches Frauen nur auf sozial konstruierte Schönheitsideale reduziert oder das durch Konzepte des Gender Mainstreamings patriarchale Unterdrückungsstrukturen oft überdeckt werden und ein binäres Geschlechterbild verankert wird. Aber um einen Vortrag, der diese Themen aus der skizzierten Perspektive beleuchtet, handelt es sich hierbei nicht. Vielmehr wird einer Person eine Bühne geliefert, um ihre mittelalterlichen Thesen zu Geschlecht und Sexualität zu präsentieren.

Es lohnt sich nämlich einen genaueren Blick auf das Wirken von Frau Kuby zu werfen. Zentrales Thema ihrer Arbeit ist der, so von ihr bezeichnete, „sexualisierte Gender-Mensch“. Grundlegend lässt sich ihre Kritik an Gender Mainstreaming so beschreiben: Durch „Umerziehungsmaßnahmen“ von staatlicher Seite ist es Menschen möglich ihre sexuelle und geschlechtliche Identität auf einmal selbst zu bestimmen. Wir sind der Meinung, dass es doch eine gute Sache ist, dass Menschen nicht mehr auf Grund von ihrer homosexuellen Identität im Gefängnis landen oder Trans*personen psychiatrisch Zwangsbehandelt werden.

Für sie resultiert daraus eine Auflösung der klassischen Familien und Beziehungsstruktur und schlussendlich ein „Aussterben des deutschen Volkes“. Sie reiht sich damit in die Gruppe von Eva Herrmann, Thilo Sarrazin oder Monika Ebeling ein. Gegen diese Entwicklung versucht sie ein Rollenbild von Frauen, das aus dem 19. Jahrhundert stammen könnte und natürlich – wie könnte es anders sein – homophobe Phrasen, in Stellung zu bringen. Da wundert es auch nicht, wenn sie auch den einen oder anderen Artikel in der „Jungen Freiheit“, dem Leitmedium der neuen Rechten veröffentlicht.

Frau Kuby verschließt die Augen vor der gesellschaftlichen Realität. Sie verhöhnt alternative Lebensentwürfe und reproduziert heteronormatives Denken. Insgesamt scheint sie Frauen vor allem als Reproduktionsautomaten zu sehen, die sich um Haushalt und Kinder kümmern sollen. In ihrem Weltbild scheint für ökonomische Unabhängigkeit und Selbstbestimmung kein Platz zu sein.

Allgemein revidieren ihre Ansichten Jahrzehnte von Frauenbewegung, die eben nicht nur für eine rechtliche Gleichstellung, sondern auch für Selbstbestimmung und (ökonomische) Unabhängigkeit gekämpft hat und immer noch kämpft. Frauen sind immer noch benachteiligt oder befinden sich in einem gnadenlosen, ökonomischen Abhängigkeitsverhältnis, welches noch durch die Ehe zementiert wird . Ein Ausweg aus dem Abhängigkeitsverhältnis bedeutet noch heute einen radikalen Bruch mit der materiellen Versorgung und fast immer den sozialen Abstieg.

Wir fordern Sie deswegen dazu auf, Ihre Räume nicht für diese Veranstaltung zu Verfügung zu stellen.

Mit freundlichen Grüßen

Linksjugend ['solid] Nürnberg/Fürth
SJ – Die Falken UB Nürnberg
Grüne Jugend Nürnberg – Fürth
Piratenpartei KV Nürnberg
Musikverein im K4/Künstlerhaus
Fliederlich e.V. – Schwulesbisches Zentrum Nürnberg

Dokumentation des Statement der hungerstreikenden Geflüchteten

Wir dokumentieren das Statement der Hungerstreikenden Flüchtlinge in Berlin am Brandenburger Tor. Auch wenn wir sonst im Moment nicht viel machen können soll gesagt sein, dass ihnen unsere Solidarität gilt.

Non-Citizens sind zurück auf den Straßen
Wir Non-Citizens sind jetzt im Namen der Menschen und der Menschlichkeit in dieser Gegend präsent. Wir, aus verschiedenen geographischen Regionen der Welt, überquerten die Grenzen, um hier her zu gelangen. Der Grund dafür ist, dass sogenannte sichere Länder, wie Deutschland die Sicherheit derer Länder mit Exportstrukturen und Werkzeugen der Stabilisierung zerstören (Strukturen und Werkzeuge als Kriegsführung, Überwachungsinstrumentarien, Methoden der Unterdrückung etc.).

Wir mussten jene Gebiete verlassen, wegen dieser Besetzungen und den Attacken auf die Sicherheit dieser Länder. Um sicher zu sein, waren wir gezwungen eine neue Region als unseren neuen Wohnort zu nehmen. Aber in diesen sognannten sicheren Ländern mussten und müssen wir noch immer unsere Leben riskieren, auf Grund der Gesetze, welche sich gegen die Menschlichkeit und die Menschenrechte stellen – verabschiedet von eben jener Regierung. In dieser Gesellschaft sind wir nicht gleich. Diese Gesetze geben uns nicht die gleichen Rechte, wie sie andere innehaben, nur weil sie die Papiere der Staatsbürgerschaft besitzen. Diese Gesetzte produzieren „Ausländer“ und errichten Mauern zwischen Menschen. Diese Regierung mit diesen Gesetzen will uns einsperren (in Lager).

Aber, um dieser harten Situation, also dem langsamen Sterben, Tag für Tag im Lager sowie dieser ungleichen Stellung ein Ende zu setzen und eine Rote Linie zu ziehen, organisierten wir verschiedene Proteste in ganz Deutschland, wie z.B. Protest Camps, einen Hungerstreik in München und einen langen Marsch von Würzburg und Bayreuth nach München. Wegen dem brutalen Agieren der Polizei während der letzten Aktion, dem beschämenden Verhalten verschiedener Behörden und anderer Ämter in München, welche eine Haltung, wie dem Sprechen am Runden Tisch für die Anerkennung unserer Anträge vom „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“ verweigerten, sahen wir Non-Citizens uns dazu gezwungen wieder auf die Straßen zu gehen. Wir wählen den Weg des Hungerstreiks, denn wir wollten und wollen immer noch nicht im Lager, in welchen uns die Regierung für einen stillen Tod festzuhalten versucht, sterben. Wir entschieden uns vor die Augen aller, in die Öffentlichkeit zu treten. Wir wollen diese grundlegende soziale Ungleichheit beenden, wir fordern einen gleichen Status, also die Anerkennung unserer Asylanträge. Wir Non-Citizens haben uns entschieden, wieder auf die Straßen zu gehen, dieses Mal in Berlin (Brandenburger Tor) und wir werden den Hungerstreik solange weiterführen, bis unsere Forderung, welche die Akzeptanz unserer Asylanträge ist, erfüllt wird.

Weitere Informationen:
www.refugeestruggle.org
FB page: Refugee struggle for freedom
Die hungerstreikenden Non-Citizens am Brandenburger Tor am Pariser Platz, Berlin