Archiv für 13. Mai 2014

Veranstaltungs”reihe”: Wir müssen mal reden!

Im Mai gibt von uns eine Minireihe zum Thema Europa. Unter dem Motto “Wir müssen mal reden” veranstalten wir am 15.5. ein Lesung und am 22.5. einen Vortrag.

Hier gibts die Infos:

Lesung: Das Manifest von Ventotene
15.5., 19 Uhr, Arsch & Friedrich, Untere Baustraße 14
Im Jahre 1941 verfassten die Antifaschisten Altiero Spinelli, Ernesto Rossi und Eugenio Colorni auf der Insel Ventotene das Manifest „Für ein freies und einiges Europa“. Sie befanden sich dort in Gefangenschaft aufgrund ihrer oppositionellen Haltung zum italienischen Faschismus. Das Manifest wurde dort heimlich auf Zigarettenpapier verfasst und in einem Brathähnchen hinausgeschmuggelt.
Bei dem Manifest von Ventotene handelt es sich um ein spannendes Zeitdokument, und es greift Fragen und Themen auf, vor dem auch heute die europäische linke Bewegung steht. Nationalismus wird als Grundproblem der Moderne und Hauptgrund für die Weltkriege ausgemacht. Dagegen stellen die Autoren die Überwindung der Nationalstaaten zugunsten eines geeinten Europas. Auch grundlegende Änderungen des kapitalistischen Produktionsweise zugunsten von sozialistischen Ideen werden thematisiert.
Im Anschluss an die Lesung freuen wir uns auf eine Diskussion, bei der erörtert werden soll, wie sich diese Ideen auf die Europäische Union anwenden lassen kann.
Vor der Veranstaltung gibt es eine vegane Volxküche mit leckerem Essen gegen Spende.
Vortrag: Von faulen Griechen und ehrlichen Deutschen
Über die wahren Ursachen der Eurokrise und den Wahnwitz des Spardiktats
Vortrag und Diskussion mit Norbert Trenkle (Gruppe Krisis)
22.5., 19 Uhr, Projekt31

Die Eurokrise wird im Allgemeinen darauf zurückführt, dass einige EU-Länder „über ihre Verhältnisse“ gelebt hätten. Dementsprechend wird dort nun das Spardiktat in aller Härte durchgesetzt. Doch obwohl das brutale Zusammenstreichen der Sozial-, Bildungs- und Gesundheitssysteme offiziell dazu dienen soll, die Verschuldung zu senken, zielt es in Wahrheit bloß darauf, die Länder wieder „kreditwürdig“ zu machen. Sie sollen – wie jüngst Griechenland – wieder „an die Finanzmärkte“ zurückkehren. Diese Verrücktheit ist aber keinesfalls irgendeinem finsteren Lobbyismus der Banken geschuldet. Sie verweist auf den fundamentalen Charakter der Krise. Weil die dritte industrielle Revolution zu einer massenhaften Verdrängung von Arbeitskraft aus der Warenproduktion geführt hat, wird die wirtschaftliche Dynamik schon seit langem vom „fiktiven Kapital“ an den Finanzmärkten getragen.
Doch diese Methode des Krisenaufschubs stößt nun an ihre Grenzen. Alle Versuche, die Kapitalverwertung wieder in Gang zu bringen, scheitern letztlich daran, dass die Potentiale der stofflichen Reichtumsproduktion nicht mehr mit der Warenproduktion kompatibel sind, also mit Zwang dass nützliche Güter nur hergestellt werden, wenn sie „finanzierbar“ sind. Eine Lösung kann daher nur darin bestehen, die Produktion von der Kapitalverwertung zu entkoppeln.

Redebeitrag 1. Mai 2014

Hier findet ihr die ungekürzte Version unserer Rede zum 1. Mai. Aus Zeitgründen mussten wir auf der Demo eine gekürzte Version davon halten.

Europa ist in der Krise. Und viele Menschen bleiben dabei auf der Strecke. In Südeuropa liegen die Arbeitslosenquoten bei Jugendlichen inzwischen konstant bei etwa 50%. Eine gesicherte Existenz ist für diese Generation nicht mehr möglich, ihnen wird ohne Erklärung die Zukunft genommen. Wenn junge Menschen dort Arbeit finden, dann meist unter erniedrigenden und extrem prekären Verhältnissen. Diese Existenzangst wird genutzt, um über Konkurrenzvorstellungen Arbeitsbedingung zu verschlechtern und Arbeitnehmer*innenrechte abzubauen.

Arbeit ist in unserer Gesellschaft immer ein Zwang. Arbeit, Zukunft und Existenz sind in den Gedanken verknotet und dieser Zustand scheint gar naturgegeben. Ohne Arbeit gibt es kein Einkommen, ohne Einkommen sind selbst die einfachsten Dinge des Lebens kaum erreichbar. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als miteinander um Jobs zu konkurrieren, seien sie noch so schlecht bezahlt, noch so erniedrigend, langweilig und zermürbend. Die Folgen davon sind auch schnell bemerkbar: Depression und Burn-Out sind inzwischen anerkannte Volkskrankheiten. Meist ist Stress im Beruf der Hauptgrund hierfür. Aber woher kommt dieser Stress? Überstunden kombiniert mit Leistungsdruck.
Im konkreten Beispiel sieht das Leben dann so aus: 7 Uhr aufstehen, 8 Uhr auf der Arbeit sein, reguläre Arbeitszeit bis 16:45 Uhr. Eine Stunde Pause dazwischen. Gegen 18 Uhr daheim. Noch 4 Stunden bis zum Schlafen gehen bleiben in der Regel, man muss ja am nächsten Tag wieder fit sein. In dieser Zeit kann man versuchen soziale Kontakte zu pflegen, etwas kochen und dann vielleicht noch etwas vor dem Fernseher entspannen. Überstunden sind hier noch verschwiegen. Dieser ganze Ablauf 5 Tage die Woche. 2 Tage Wochenende zum erholen. Wenns gut läuft 25 Tage Urlaub zum Erholen im Jahr. Das ganze bis man vorraussichtlich 70 ist. Die Kraft und Zeit zur Selbstverwirklichung oder kritischem Engangement schaffen nicht viele aufzubringen. Sie sind de facto entmündigt.
Um zu Erkennen, dass Arbeit immer auch Zwang bedeutet muss man kein*e Marxist*in sein. Diese Erkenntnis ist durchaus gesellschaftlich verbreitet. Arbeit wird also von vielen als ermüdend, gewissermaßen entmündigend wahrgenommen. Wenn Arbeit nicht Selbstverwirklichung des Individuums ist, scheint es schlechte Karten zu haben. Zwar steht es außer Frage, dass Arbeit in einem gewissen Umfang notwendig ist um die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Aber Arbeit in unserer Gesellschaft dient nicht dazu, Bedürfnisse zu befriedigen, sondern zieht in ihrer Funktion nur darauf ab, Teil des Kapitalakkumulationsprozesses zu sein. Sie ist in dieser Form auch nichts Natur gegebenes, sondern in dieser Form vom Menschen geschaffen, und damit auch vom Menschen veränderbar. Doch gleichermaßen ist auch der Mensch von ihr veränderbar.
Im Gegensatz zum Leiden am Vorhandensein von Arbeit, Leiden auch viele Menschen an deren Abwesenheit. Ohne Arbeit ist man in unserer Gesellschaft nichts. Statt Stress werden Existenzängste zu den Ursachen von Depressionen.
Dabei ist die Situation, dass die Arbeitslosenzahlen steigen eigentlich keine Schlechte. Mit immer weniger menschliche Arbeitskraft wird immer mehr produziert. Die logische Folge wäre also die vorhandene Arbeit zu verteilen. Dies kann auch ohne Probleme bei vollem Lohnausgleich passieren, denn die gesellschaftliche Reichtumsproduktion steigt immer weiter.
Schlussendlich wollen wir eine Gesellschaft ohne Existenzangst und Arbeitszwang. Eine solche Gesellschaft kann aber nur eine solche sein, in der eine Produktion ohne Wertschöpfung existiert, und in der das Auskommen von der Arbeit abgekoppelt ist.

Also ist es unser Anliegen das Bewusstsein hierfür zu schaffen. Das Bewusstsein der Menschen muss wieder an den Tag treten um den alltäglichen Dingen mit mündiger Stimme ein Nein entgegenbringen zu können. Ein Sklave der sein Leben lang Befehle erhielt findet plötzlich einen weiteren unerträglich. Deswegen sind wir hier.
Wir sind alles Menschen in der Revolte, weil die Revolte in uns ist.
Wecken wir dieses Bewusstsein und erteilen Nation und Kapitalismus eine klare Absage.

Für das Bewusstsein jedes Einzelnen.