Archiv für 17. Juli 2014

Nationalismus ist kein Spiel

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Am Wochenende vom 11. – 13.7. fand die Landesmitgliederversammlung der Linksjugend ['solid] Bayern im niederbayerischen Geiselhöring statt. Unser Landessprecher*innenrat hatte dafür einen kleinen antinationalen Abendspaziergang vorbereitet, wozu wir einen kleinen Redebeitrag verfasst haben. Bei der bayerische Polizei fand die Idee, einen kleinen Abendspaziergang zu machen, wohl großen Anklang, sodass diese gleich mit mindestens 15 Bussen anreisten, um etwa 30 Solids zu begleiten. Da sie aber anscheinend so begeistert waren, dass sie Namen und Adresse der Redner*innen haben wollten, vielleicht um den Kontakt zu intensivieren, wurde der Redebeitrag in dieser Form nicht gehalten. Dafür wurden während des Laufens Ausschnitte verlesen. In gänze ist sie nun hier zu lesen:

Seit einigen Wochen präsentiert sich die Nation wieder in ihrem irrsten Gewand. Ganz unverkrampft darf endlich wieder mit der schwarz-rot-gelbe Fahne gewedelt werden. werden, nachdem sie wieder 2 Jahre im Keller verstauben musste. Nur während eines Fussball-Männer-Events wird sie dann forsch geschwungen werden, um dabei Deutschland im Vergleich mit den Anderen voranzutreiben. Dabei geht es dann ganz unverkrampft zu. Ganz unverkrampft zelebriert das Volk den deutschen Partypatriotismus. Und dieser Partypatriotismus hat mit Nationalismus ja sowieso nichts zu tun. Meinen zumindest, diejenigen, die am nationalistischen Freudentaumel Teil haben.
Einen Unterschied zwischen einem wie auch immer gearteten positiven Patriotismus und einem negativen Nationalismus lässt sich aber für uns selbst mit viel gutem Willen nicht feststellen. In der öffentlichen Meinung wird der Unterschied zwischen den zwei Formen der Überhöhung der Nation immer so gezogen, dass zwar beide einen positiven Bezug auf die eigene Nation besitzen, aber Patriotismus andere Nationen nicht herabwürdigt. Das es sich bei dieser scheinbaren Unterscheidung um einen Trugschluss handelt, wird beim der Betrachtung des schwarz-rot-gelben Wahnsinns schnell deutlich. So stieg die Anzahl der rassitischen Übergriffe im Nachgang an die WM 2006, der ersten Männerfussballweltmeisterschaft im nationalen Taumel, signifikant an. Auch bei der aktuellen Fussballweltmeisterschaft der Männer mussten Menschen einige Ekelhaftigkeiten ertragen. So wären hier etwa rassistische Kommentierungen in diversen sozialen Medien zu erwähne, etwa beim Spiel Deutschland gegen Ghana oder andere gewalttätige Übergriffe. Gleichzeitig werden Menschen die als nicht deutsch identifiziert werden, gezielt ausgegrenzt. Sie sollen und dürfen nicht Teil der nationalen Schicksalsgemeinschaft sein. Auch das ist eigentlich immer rassistisch vermittelt.
Nun stellt sich allerdings die Frage, ob ein positiver Bezug auf die Nation in Ordnung wäre, wenn er nicht mit Rassismus und Ausgrenzung verbunden wären. Hierzu scheint es wichtig, zu ergänzen, dass so etwas wie ein positiver Bezug auf die Nation ohne Ausgrenzung und Rassismus kaum vorstellbar ist.
Weiterführende Kritik an dem Konzept der Nation lasst sich formulieren, wenn man deren Funktion innerhalb der kapitalistischen Verwertung betrachtet. Eine kapitalistische Gesellschaft ist ohne einen Staat, der die Eigentumsverhältnisse schützt, nicht möglich. Dazu setzt er Gesetze und im Zweifelsfall auch Gewalt ein. Die Nation ist hierbei diejenige Form, wie diese Herrschaft, die vom Staat ausgeht, vermittelt wird. Die Nation fungiert hier als Zwangskollektiv. Innerhalb diesem Kollektiv soll die der Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital aufgehoben werden. Und zwar nicht in unserem Sinne, endlich Schluss zu machen mit dem System der Wertverwertung, und der Abschaffung der Klassenherrschaft, sondern dieser Widerspruch soll versöhnt werden. Arbeit und Kapital werden zum produktiven Dienst an der Nation und Volksgemeinschaft. Gleichzeitig werden soziale Konflikte nicht ausgetragen, sondern innerhalb der Logik des Nationalismus überdeckt. Gegen die Vereinzelung in der kapitalistischen Warenproduktion und der damit einhergehende soziale Ausschluss wird die Nation als positiver Bezugspunkt geschaffen. Egal wie schlecht es menschen geht, sie können sich immer noch als Teil des Volkskollektivs fühlen.
Für uns ist die Nation kein positiver Bezugspunkt. Eine Identität aufgrund des Geburts- oder Wohnorts zu entwickeln ist ganz einfach irrational und funktioniert nur über Ausschluss von Menschen. Wir stehen für eine ganz andere Welt. Wir wollen eine Gesellschaft der kritischen Reflexion und des solidarischen Miteinanders. Eine Gesellschaft, in der wir nicht durch Grenzen getrennt, nicht in Lohnarbeitsverhältnissen ausgebeutet sind und in der wir uns frei entfalten können.
Wir wollen etwas Besseres als die Nation, wir wollen das schönen Leben in der klassenlosen Gesellschaft und zwar so schnell wie möglich.

In diesem Sinne gilt:
Nationalismus ist kein Spiel
Kommunismus statt Deutschland