Archiv für 27. Januar 2015

Flugblatt zum 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslager Auschwitz

Wir dokumentieren hier unser Flugblatt zum Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz.

Nie wieder Auschwitz!

Auschwitz stellt das traurige Symbol für die industrielle Vernichtung von Menschen, gerade der europäischen Jüdinnen und Juden, durch die Deutschen während des Nationalsozialismus dar. Vernichtet wurden all jene, die keinen Platz in der deutschen Volksgemeinschaft hatten, sei es, da sie als rassisch unwertiges Leben galten, aufgrund ihres körperlichen Zustandes oder ihres Lebenswandels nicht in die Ideologie des Nationalsozialismus passten oder weil sie in Opposition zu ihm standen.
Der Antisemitismus in Deutschland begann nicht mit Hitler. Schon im deutschen Kaiserreich tummelten sich etliche antisemitische Vereine, z.B. die Antisemitenpartei. Der Beginn des völkischen Antisemitismus ist spätestens bei Luther und seinem
antisemitischen Schmähwerk „Von den Jüden und deren Lügen“ in Deutschland zu verorten.
Die Besonderheit, gerade des organisierten Völkermordes an den europäischen Juden, allerdings erhält die Shoah durch einige historisch einzigartige Faktoren. Erstens ist hier die Dimension des Massenmordes zu nennen, zweitens die Art und Weise und drittens jene ideologische Priorität, die der Vernichtung der Jüdinnen und Juden eingeräumt wurde.
Zwischen dem Beschluss der Deutschen eine „Endlösung der Judenfrage“ herbeizuführen, was nichts anderes als deren physische Vernichtung bedeutete und der Niederlage Deutschlands, wurden etwa 6 Millionen Jüdinnen und Juden ermordet. Opfer der Vernichtung wurden aber nicht nur Menschen, die das Judentum aktiv als Religion ausübten, sondern auch diejenigen, die ihren jüdischen Glauben abgelegt hatten. Für die MörderInnen bedeutete das Judentum eine rassische Kategorie. Die Juden stellten für sie eine Bedrohung von Volk und Vaterland dar. Der Jude repräsentiert für sie die Moderne, das Abstrakte, modernen Kapitalismus und Kommunismus gleichermaßen. Man warf ihnen vor, dass Volk von Innen zu zersetzen. Eine Lösung im Sinne der Antisemiten konnte also für sie folglich nur in der Beseitigung dieser „Bedrohung“ bestehen. Der Name der Lösung lautete unter anderem Auschwitz. Weiterlesen

…dass Auschwitz nie wieder sei

Im Rahmen der bundesweiten Kampagne “Dass Auschwitz nie wieder sei” beteiligen wir uns mit einer Kundgebung und einem Filmabend.

Kundgebung “Dass Auschwitz nie wieder sei”

Dienstag, 27.1.15, 16 Uhr, Hallplatz Nürnberg

Gemeinsam mit unseren Genoss*innen der Falken Nürnberg veranstalten wir am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz eine Kundgebung am Nürnberger Hallplatz.

Die Shoah und die industrielle Massenvernichtung von Menschen in den deutschen Vernichtungslagern war kein historischer Unfall, keine Tat von einer kleinen Gruppe, sondern eine kollektive Tat der deutschen Volksgemeinschaft. Mit dem zentralen Vertriebenenmahnmal am Nürnberger Hallplatz werden die TäterInnen glorifiziert und deren Opfer verhöhnt. Aufgearbeitet ist die deutsche Vergangenheit nur dann, wenn deren Ursachen beseitigt sind. So lange aber immer noch eine Verdrehung von TäterInnen und Opfern stattfindet, kann von einer Aufarbeitung keine Rede sein.
Wir wollen einen ersten Schritt machen, auch wenn er nur symbolisch ist. Wir widmen dieses Mahnmal denjenigen, denen es zusteht. Eben nicht den deutschen TäterInnen, sondern deren Opfern.

Filmabend: Hannah Arendt

Mittwoch, 28.1.15, 19 Uhr, Projekt 31, An den Rampen 31

Am 27.1.1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Diesem Thema wollen wir uns bei unserem Kneipenabend im Januar widmen. Wir wollen dazu allerdings nicht nur den Opfern der Deutschen Vernichtung gedenken, sondern auch den Fokus auf die TäterInnen legen.

Dazu zeigen wir den Spielfilm “Hannah Arendt”. Dieser beschäftigt sich mit Arendts Auseinandersetzung mit dem Eichmann-Prozess in Jerusalem. Adolph Eichmann war im Nationalsozialismus Leiter des sogenannten Eichmannreferat, dessen Aufgabe in der Organisation der Judenvernichtung bestand.

“Als Hannah Arendt 1961 in Jerusalem den Gerichtssaal betritt, um für den renommierten The New Yorker über den Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann zu berichten, erwartet sie, auf ein Monster zu treffen. Stattdessen erlebt sie einen Niemand. Die geistlose Mittelmäßigkeit Eichmanns passt nicht zum abgrundtief Bösen seiner Taten. Dieser Widerspruch beschäftigt Hannah Arendt sehr. Zurück in New York liest sie hunderte Prozessakten, recherchiert, diskutiert mit ihrem Mann Heinrich Blücher und ihren Freunden. Ab Februar 1963 erscheint unter dem Titel „Eichmann in Jerusalem“ ihre Artikelserie im The New Yorker. Mit ihrer These von der „Banalität des Bösen“ schockiert Arendt die Welt. Die Reaktionen sind verheerend und niederschmetternd. Hannah Arendt wird geächtet, angefeindet, verliert lebenslange Freunde. Das Unverständnis einiger ihrer Freunde trifft sie hart, weniger die Hetzkampagnen, die zahlreiche Medien entfachen. Dennoch bleibt sie konsequent bei ihrer Haltung, sie kämpft und scheut keine Auseinandersetzung, wenn es um für sie so wichtige Themen wie Totalitarismus und Macht geht. Denn sie will verstehen. Auch wenn das bedeutet, „dahin zu denken, wo es weh tut“.”