Redebeitrag zum 1. Mai “Lohnarbeit und Krise”

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Krise. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, die EU und die EZB, Merkel und Sarkozy, Gewerkschaften und die Troika.

Welcher Staat wird nun nicht von der europäischen Staatengemeinschaft als verschwenderisch gebrandmarkt, welcher Staat schleudert den Vorwurf nicht zurück und fügt noch an, dass es um die Bewahrung der internationalen Wettbewerbsfähigkeiten gehe?

Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor:

Bei der Krise des Kapitalismus geht es nicht nur um eine Krise des Finanzsystems, sondern um eine Krise der Lohnarbeit und des Kapitalismus an sich.

Es ist hohe Zeit, dass die Antikapitalist_Innen ihre Anschauungsweise, ihre Zwecke, ihre Tendenzen vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen vom Gespenst der Eurokrise eine Kritik am der kapitalistischen Lohnarbeit an sich entgegenstellen.

In ebenjener Gesellschaft in der wir leben, wird das überholte und überhöhte Konzept der Lohnarbeit zum Götzen stilisiert. In einer immer schneller werdenden Ausweitung der Produktivkräfte wird Arbeit immer mehr zu einer Farce. Immer weniger Menschen werden benötigt um immer mehr zu produzieren. Durch technischen Fortschritt, Roboter, Maschinen und Computer wird der Mensch in Produktionsstätten gesellschaftlichen Reichtums, in den Produktionsstätten der Ware, immer mehr zum Ballast. Er fungiert nur noch zur Überwachung oder Bedienung. Schlussendlich ist die strukturelle Folge davon, dass die klassische Erwerbsarbeit der breiten Massen in Vollzeitbeschäftigungen immer stärker ausblutet und schließlich qualvoll verenden wird. Eigentlich nichts Schlechtes. Allerdings scheinen das nicht alle so zu sehen, denn überall wird der Kampf um mehr Vollzeitstellen geführt, statt zu jubeln, “Hurra, endlich wird die Arbeit knapp!”. Aber warum eigentlich?

Besinnen wir uns zurück, vor einigen Jahrzehnten schrieb ein Mensch mit Rauschebart ein Werk, das er das Kapital nannte. Darin erklärte er, dass nur menschliche Arbeitskraft einen Mehrwert schaffen kann. Das heißt dann im genauen: Nur durch Ausbeutung in Form von menschlicher Lohnarbeit ist es überhaupt möglich, Profite zu generieren. Die Folge: ohne Lohnarbeit, keine Akkumulation, keine Klassengesellschaft, keine kapitalistische Produktion.

Wir denken weiter: Kapitalistische Produktion ist mehr als nur ein ökonomisches Verhältnis, es ist ein soziales, gesellschaftliches Verhältnis. Durch unsere Position im ökonomischen Prozess wird unsere Stellung in der Sozialstruktur determiniert. Und nicht nur das, dadurch werden Hierarchien reproduziert und zementiert. Schlussendlich lässt sich die komplette “Gesamtscheiße”, der wir täglich ausgesetzt sind darauf zurückführen.

Nun aber zurück zur aktuellen Krise: Seltsamerweise wird sie selten als das erkannt, was sie eigentlich ist. Forderungen lauten: Zähmung des entfesselten Finanzmarkts, mehr soziale Sicherheit oder Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen. Die 1. Maidemo des DGB ist hierfür ein Gutes Bespiel statt der Forderung “Nie wieder Lohnarbeit” haben sie zu einer Kundgebung mit dem Motto “Gerechte Löhne, Soziale Sicherheit – Gut Arbeit für Europa” aufgerufen”. Wir finden so etwas plump gesagt untragbar. Die Forderung einer radikalen Linken darf kurz und Mittelfristig nicht weniger sein, als eine radikale Arbeitszeitverkürzung auf nicht mehr als 20 Stunden. Natürlich bei vollem Lohnausgleich. Auch andere Forderung die das klassische Konzept Lohnarbeit in frage Stellen müssen intensiv diskutiert und in die Gesellschaft getragen werden. Hierfür wären beispielhaft das 4-in-1 Konzept und ein bedingungsloses Grundeinkommen von mindesten 1000€ zu nennen. Schlussendlich darf aber nicht anderes die Überwindung der wertschaffenden, also proletarischen, Arbeit und somit auch des Werts und des Kapitalismus an sich das Ziel sein. Bespiele für eine Ökonomie ohne Wert gibt es schon im Hier und Jetzt, wenn auch nur im kleinen, seien es lokale VoKüs auf Spendenbasis oder Umsonstläden.

Wir dürfen die Krise nicht nur als Angriff auf unseren persönlichen Wohlstand bereifen und Abwehrkämpfe a la “Wir zahlen nicht für eure Krise” führen, sondern selbst in die Offensive gehen und aufzeigen, dass der Kapitalismus keine Zukunftsperspektiven bietet. Bereiten wir diesem unmenschlichen System ein Ende mit Schrecken, damit es uns nicht einen Schrecken ohne Ende bereitet. Oder um mit Oskar Wilde zu sprechen: “Muße, nicht Arbeit, ist das Ziel des Menschen.”

2 Kommentare

  1. [...] (siehe auch den Artikel auf infranken.de). Wünschenswerter wäre aus unserer Sicht eine Rede wie die der Nürnberger GenossInnen gewesen, die nicht nur auf Restauration des Bestehenden, sondern auf dessen Überwindung [...]

  2. [...] Nürnberger Basisgruppe beteiligte sich mit einem eigenen Redebeitrag an der revolutionären ersten Mai-Demo: Es ist hohe Zeit, dass die Antikapitalist_Innen ihre [...]