Offener Brief an das CVJM-Haus

Zusammen mit anderen Organisationen haben wir einen offenen Brief an das CVJM-Haus in Nürnberg verfasst. Dort soll eine Veranstaltung mit der Autorin Gabriele Kuby stattfinden.

 

Nürnberg, den 22.10.2013

 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Hausverwaltung des CVJM-Hauses am Kornmarkt,

wie uns vor wenigen Tagen bekannt wurde, soll in den Räumen des CVJM-Hauses am 3.11.2013 um 17:00 Uhr ein Vortrag zu dem Thema „Die globale sexuelle Revolution – Gender Mainstreaming in der Kritik“ stattfinden. Als Referentin hierzu – so war zu lesen – sei die Autorin Gabriele Kuby eingeladen. Als Veranstalter tritt hierzu die „Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der evangelischen Kirche Region Nordbayern“ auf.

Nun scheint es uns durchaus sinnvoll sich mit Themen wie Sexualisierung der Gesellschaft oder Gender Mainstreaming, auch kritisch, zu beschäftigen, nur in diesem Falle ist die Perspektive eine eindeutig Falsche. Zu kritisieren wäre etwa, das durch eine anhaltende Sexualisierung ein Frauenbild in der Gesellschaft verankert wird, welches Frauen nur auf sozial konstruierte Schönheitsideale reduziert oder das durch Konzepte des Gender Mainstreamings patriarchale Unterdrückungsstrukturen oft überdeckt werden und ein binäres Geschlechterbild verankert wird. Aber um einen Vortrag, der diese Themen aus der skizzierten Perspektive beleuchtet, handelt es sich hierbei nicht. Vielmehr wird einer Person eine Bühne geliefert, um ihre mittelalterlichen Thesen zu Geschlecht und Sexualität zu präsentieren.

Es lohnt sich nämlich einen genaueren Blick auf das Wirken von Frau Kuby zu werfen. Zentrales Thema ihrer Arbeit ist der, so von ihr bezeichnete, „sexualisierte Gender-Mensch“. Grundlegend lässt sich ihre Kritik an Gender Mainstreaming so beschreiben: Durch „Umerziehungsmaßnahmen“ von staatlicher Seite ist es Menschen möglich ihre sexuelle und geschlechtliche Identität auf einmal selbst zu bestimmen. Wir sind der Meinung, dass es doch eine gute Sache ist, dass Menschen nicht mehr auf Grund von ihrer homosexuellen Identität im Gefängnis landen oder Trans*personen psychiatrisch Zwangsbehandelt werden.

Für sie resultiert daraus eine Auflösung der klassischen Familien und Beziehungsstruktur und schlussendlich ein „Aussterben des deutschen Volkes“. Sie reiht sich damit in die Gruppe von Eva Herrmann, Thilo Sarrazin oder Monika Ebeling ein. Gegen diese Entwicklung versucht sie ein Rollenbild von Frauen, das aus dem 19. Jahrhundert stammen könnte und natürlich – wie könnte es anders sein – homophobe Phrasen, in Stellung zu bringen. Da wundert es auch nicht, wenn sie auch den einen oder anderen Artikel in der „Jungen Freiheit“, dem Leitmedium der neuen Rechten veröffentlicht.

Frau Kuby verschließt die Augen vor der gesellschaftlichen Realität. Sie verhöhnt alternative Lebensentwürfe und reproduziert heteronormatives Denken. Insgesamt scheint sie Frauen vor allem als Reproduktionsautomaten zu sehen, die sich um Haushalt und Kinder kümmern sollen. In ihrem Weltbild scheint für ökonomische Unabhängigkeit und Selbstbestimmung kein Platz zu sein.

Allgemein revidieren ihre Ansichten Jahrzehnte von Frauenbewegung, die eben nicht nur für eine rechtliche Gleichstellung, sondern auch für Selbstbestimmung und (ökonomische) Unabhängigkeit gekämpft hat und immer noch kämpft. Frauen sind immer noch benachteiligt oder befinden sich in einem gnadenlosen, ökonomischen Abhängigkeitsverhältnis, welches noch durch die Ehe zementiert wird . Ein Ausweg aus dem Abhängigkeitsverhältnis bedeutet noch heute einen radikalen Bruch mit der materiellen Versorgung und fast immer den sozialen Abstieg.

Wir fordern Sie deswegen dazu auf, Ihre Räume nicht für diese Veranstaltung zu Verfügung zu stellen.

Mit freundlichen Grüßen

Linksjugend ['solid] Nürnberg/Fürth
SJ – Die Falken UB Nürnberg
Grüne Jugend Nürnberg – Fürth
Piratenpartei KV Nürnberg
Musikverein im K4/Künstlerhaus
Fliederlich e.V. – Schwulesbisches Zentrum Nürnberg

2 Kommentare

  1. […] haben von einen offenen Brief bekommen, der eine Veranstaltung im CVJM Haus am Kornmarkt zum Thema hat. Diese Veranstaltung wird nicht von […]