Tag Archiv für ÖPNV

Redebeitrag zum Nürnberger Bildungsstreik

Im Sommer diesen Jahres ging es groß durch die regionalen Medien, die VAG wird bis 2015 ihre Fahrpreise schrittweiße um 30 Prozent erhöhen. Nach kurzer Empörung was das Thema vom Tisch und aus der Tagespolitik verschwunden, die Problematik aber bleibt.

Zum  1.1.2012 gibt es die erste Fahrpreiserhöhung von 14 Prozent und sogar um 26 Prozent für das was sich hier Studiticket schimpft. Wie immer werden darunter die am meisten leiden die auch so schon am wenigsten haben. Konkret bedeutet dies im Bezug auf unser Bildungssystem:
Soziale Selektion wird verstärkt, soziale Ungleichheit reproduziert.

Was bedeutet das nun im Konkreten für Auszubildende, SchülerInnen und Studierende?

Entweder verzichtet man auch Mobilität in Form von öffentlichen Personennahverkehr und damit auf ein unserer Meinung nach Grundrecht und wird in der individuellen Fähigkeit zur gesellschaftlichen Partizipation eingeschränkt.
Oder Mensch könnte auch die finanzelle Mehrbelastung in Kauf nehmen. Für viele von uns ist das allerdings unmöglich, da wir alle unter rapide steigenden Mieten leiden und viele von uns müssen pro Semester irgendwie 500 € Studiengebühren zusammenkratzen. Zusätzlich gehen Unmengen an Geld für Bücher und andere Lehrmittel drauf und irgendwas essen und anziehen muss mensch ja auch.
Zuletzt bleibt noch die die Möglichkeit schwarz zu fahren. Wer das tut muss sich aber in die Gefahr immer größerer Repression und Kriminalisierung begeben.

All das scheint uns für uns nicht wirklich die richtige Lösung zu sein.

Wir fragen, warum müssen wir überhaupt Geld dafür zahlen um von A nach B zu kommen? Warum ist die VAG ein Unternehmen, dass nicht in erster Linie auf die Bedürfnisse aller ausgelegt ist? Warum überhaupt muss Mobilität Ware sein, genau wie Bildung?

Im Kapitalismus nimmt die Befriedigung dieser Bedürfnisse immer Warenform an. Es geht hier nicht um den Nutzen aller, sondern in erster Linie um Gewinnmaximierung, bzw. Kostenminimierung.

Das Streben nach freier Bildung ist genau wie das Streben nach grenzen- und kostenloser Mobilität im Kapitalismus nicht erreichbar. Solch ein Streben muss auch immer in ein Streben nach der Aufhebung der kapitalistischen Gesellschaft sein.

Wir wollen nicht, dass Ober und Unterschicht gleichberechtig auf öffentliche Güter zugreifen können, wir wollen eine Gesellschaft in der es so etwas wie Ober- und Unterschicht nicht mehr existieret.

In diesem Sinne Fordern wir:

Alles für alle – und zwar umsonst

Für die befreite Gesellschaft

Interesse bei Linksjugend [’solid] in Nürnberg mitzumachen?

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Wenn ja, dann komm am 25.November um 18 Uhr
in unser Büro in der Humboldtstr. 104 (Rückgebäude) – Nähe U-Aufseßplatz
zu unserem Treffen für Interessierte.

Dich erwartet ein kleiner Vortrag zu unserem aktuellen Thema Öffentlicher Nahverkehr. Außerdem stellen wir den Jugendverband Linksjugend [’solid] und unsere Gruppe in Nürnberg vor.

Anschließend wollen wir bei Lebkuchen essen und Glühwein trinken den Tag in lockerer Atmosphäre ausklingen lassen.

Wenn Du also Zeit und Lust hast mal vorbeizuschauen und zu gucken, wer wir sind und was wir als Gruppe so alles vorhaben und was wir machen, dann komm vorbei!

Damit wir ausreichend planen können, wäre es gut, wenn Du uns vorher per Mail (info@solid-nuernberg.de) Bescheid gibst.

Redebeitrag Proteste gegen Fahrpreiserhöhung

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Es ist paradox: In unser Gesellschaft wird Mobilität als Grundvoraussetzung angenommen. Was heißt es dann, wenn die Mobilität aufgrund ökonomischer Faktoren eingeschränkt oder gar ganz verwehrt ist? Es bedeutet Vereinzelung, alltägliche Handlungen stellen Probleme dar, soziale Isolation, Depression, kurz gesagt Einschränkung der Mobilität ist gleichzeitig eine Einschränkung der Menschenwürde.
Das Recht auf Bewegungsfreiheit ist eine zivilisatorische Errungenschaft, aber wie so oft bringt auch hier die moderne Zivilisation Mechanismen hervor die dieses Recht einschränken oder gar aufheben. Bewegungsfreiheit, ohne Mobilität, ist lächerlich. In solcherlei Sachzwäng zeigt sich wieder einmal wie im Kapitalismus Herrschaftsverhältnisse vermittelt werden: formale Freiheit trifft auf die Realität der ökonomischen Zwänge.
Wenn nun aber Mobilität eingeschränkt, bzw. sogar aufgehoben wird, dann wird folglich auch die Bewegungsfreiheit eingeschränkt sein. Wie funktioniert das aber? Nun wie jeder andere Lebensbereich auch ist hier alles gut durchökonomisiert und ist vollends von der kapitalistische Warenproduktion vereinnahmen. Wir müssen uns ein Auto, Motor- und/oder Fahrrad kaufen um von A nach B zu kommen, konsumieren Dienstleistungen, wie die Fahrt mit Bus und Bahn oder Reparaturen unserer Vehikel. In gewinnorientierten System kann aber nur derjenige Partizipieren der eben das nötige Geld hat um eben diese Wert zu erwerben. Allen anderen bleibt dies dann verwehrt – oder sie fahren eben „schwarz“
Auch in der bürgerlichen Ökonomie hat man sich dazu Gedanken gemacht. Es gibt das sogenannte natürliche Monopol. Dies ist eine Sparte mit hohen Fixkosten, die variablen Kosten, die benötigt werden und eine weitere Einheit der Ware zu produzieren sehr gering sind. Da es in diesen Bereichen für Mehrere Unternehmen nicht rentabel ist zu produzieren, muss es ein Monopol geben. Wenn dieses Unternehmen allerdings gewinnmaximierend Arbeiten würde, dann wäre es für den größten Teil der Menschen nicht möglich sich dieses Produkt zu leisten. Daher sollte sich solche ein Unternehmen entweder in öffentlicher Hand befinden und das Defizit muss auch von dieser Getragen werden oder aber ein privates Unternehmen wird stark subventioniert und reglementiert. Der ÖNVP ist ein Paradebeispiel für ein solches natürliches Monopol. Die Kosten für Verkehrsmittel und Infrastruktur sind gewaltig, eine weiteren Fahrgast zu transportieren kostet aber so gut wie gar nichts.
Man muss sich entscheiden, entweder ein attraktiver ÖPNV für die Allgemeinheit oder aber ein gewinnorientiertes Verkehrsunternehmen. Beides gleichzeitig geht nicht.
Wir als ['solid] Nürnberg, sind uns einig: Mobilität ist ein Allgemeingut und Menschenrecht.
In diesem Sinne fordern wir:

Bewegungsfreiheit für alle
Sachzwänge überwinden
Kapitalismus aufheben