Tag Archiv für Repression

Extremismustheorie? Was soll das denn bitte?

Immer wieder spricht sich die scheinbare „Mitte der Gesellschaft“ gegen jeden politischen Extremismus aus und beruft sich dabei explizit oder implizit auf die sogenannte Totalitarismustheorie. Allerdings geht es hierbei nicht um Kritik an Totalitarismus, in Form von totaler Herrschaft, wie mensch eigentlich denken könnte, sondern um Gleichsetzung in der einfachen Form links gleich rechts.

Warum aber nun ist das falsch und gefährlich? Selbst “Die Zeit” forderte in einem Artikel vom 24.11.2011: „Schafft das Wort Extremismus ab!“ Ihre Begründung: Links und Rechts sind nicht vergleichbar, auf der einen Seite geht es um Menschen die versuchen „gesellschaftliche Güter – Geld, Bodenschätze, Arbeitskraft – radikal um[zu]verteilen“, auf der anderen Neonazis, die Menschen „(dis-)qualifizieren vor allem nach angeborenen Merkmalen: Ethnie, Hautfarbe, Geschlecht. Deshalb ist ihre Weltsicht selbst dann menschenverachtend, wenn sie gewaltfrei auftreten.“

Aber es ist falsch ausschließlich zu kritisieren, dass durch den Extremismusbegriff nur links und rechts gleich gesetzt werden. Im Zuge dieser Theorie wird die bundesdeutsche Gesellschaft und verbunden damit das politische System viel zu vereinfacht dargestellt. Mensch kann es sich wie einen Kreis vorstellen. Dieser besitzt zwei Pole. Der eine ist die „demokratische Mitte“. Von diesem kann mensch sich nun entweder nach rechts oder links wegbewegen. In welche Richtung ist aber eigentlich egal, denn egal wohin, alles trifft im anderen Pol, dem Extremismus, zusammen.

Die Mitte ist nun von recht und links, von einer immer stärker verschwimmenden „Feindmasse“, dauerhaft gleichermaßen bedroht. Damit wird der existierenden politischen Vielschichtigkeit nicht einmal annähernd nahe gekommen. In dem einfachen „Gut-Böse“-Schema, ist die Mitte frei von jeder Kritik.

Ideologien der Ungleichheit werden einem rechten Rand oder Extremisten ganz im allgemeinen, angehängt, und mensch vergisst dabei, dass gerade diese Ideologien in der scheinbaren Mitte schon lang, nicht erst seit Sarrazin, angekommen sind. Immer wieder zeigen Studien, etwa von der Friedrich-Ebert-Stiftung, das Rassismus, Chauvinismus, Sozialdarwinismus und Antisemitismus kein Phänomen am Rand, sondern eine Weltbilder inmitten der Gesellschaft sind. Genau diese Logik ist es, die Abschottung und menschenverachtende Handlungen gegen Flüchtlinge legitimiert, da sie von der demokratischen Mitte begangen und abgesegnet werden, während Antifaschist_Innen kriminalisiert werden, weil sie aktiv gegen Nazis eintreten.

Der Extremismus-Begriff verharmlost Rassismus, Antisemitismus und andere Ungleichwertigkeits-Ideologien. Er verhöhnt die Opfer und Widerstandskämpfer_Innen gegen den nationalsozialistischen Terror. Er verkürzt die politische Realität und ist in der Wissenschaft höchst umstritten. Wozu dient denn nun dieser Begriff eigentlich? Der Extremismus-Begriff ist eine politische Waffe, um Bewegungen mit emanzipatorischen und antifaschistischem Anspruch in der Öffentlichkeit zu diskreditieren.

Gegen die Verharmlosung von Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus! 

Gegen den Extremismus-Begriff und für mehr Nachdenken!