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Neue Website des SDS Erlangen-Nürnberg

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Auch die Genossinnen und Genossen vom Hochschulverband SDS Erlangen-Nürnberg haben eine neue Website. Unter www.sds-erlangen-nuernberg.de gibt es aktuelle Infos und Termine, z.B. eine Pressemitteilung zu den Fahrpreiserhöungen im ÖPNV.

Aufruf Bildungsstreik Nürnberg 2011

bildungsstreik2011

Die Welt ist in Bewegung und wir sehen beinahe täglich Bilder, die von Aufständen, Umstürzen und Widerstand erzählen. Egal, ob in Frankreich, England, Griechenland oder Chile: überall kämpfen Menschen zusammen gegen eine Politik, die mit ihnen und ihren Interessen nicht mehr viel zu tun hat. In Deutschland scheint alles befriedet, und doch: sieht man genauer hin, brodelt es auch hier an einigen Ecken. Streiks und Aktionen zu Entlassungen, Kürzungen etc. gibt es auch hier, nur ein gemeinsamer Protest ist noch nicht entstanden. 2009 haben auch in Deutschland hunderttausende Menschen ein klares Zeichen gegen ihre Lern – und Lebensbedingungen gesetzt. Hochschulen und Schulen wurden besetzt, Forderungen aufgestellt, diskutiert und Aktionen durchgeführt. Weitgreifende Verbesserungen blieben zwar aus, doch Teilerfolge konnten erzielt werden. So wurden z.B. in allen Bundesländern – außer in Bayern und Niedersachsen – die Studiengebühren beseitigt und die Proteste brachten zum Ausdruck, wie groß die Unzufriedenheit mit dem Bildungssystem ist. Viele tausend Menschen konnten die Erfahrung machen, was es heißt, mit seinen Problemen auf einmal nicht mehr alleine da zustehen, sondern sich gemeinsam für die eigenen Belange einzusetzen. Und auch wenn das alleine noch nicht die Welt verändert hat, so brachte es doch zumindest die Einsicht, dass man gemeinsam solidarisch mehr erreichen kann. Zu tun gibt es noch einiges: nach wie vor beherrschen Leistungsdruck, Konkurrenz und Versagensängste unseren Alltag in Schule, Studium oder Ausbildung, und auch danach ist kein Ende in Sicht.
Zahlst auch du für deine Bildung?

Umsonst gibt es hier nichts! Die Ganztagsschule hat die Kosten für den Schulbesuch noch einmal mehr in die Höhe getrieben. Musste man schon vorher teure Lernmittel selbst beschaffen und Papiergeld entrichten, um die leeren Kommunenkassen privat auszugleichen, ist nun auch das Mittagessen ein weiterer Kostenpunkt. An einigen Schulen ist es den Schüler*Innen sogar verboten, warmes Essen von Außerhalb zu holen. Sie sind somit gezwungen, die hohen Preise für das Mensaessen zu bezahlen oder eben zu hungern. Wie bei jeder Sparmaßnahme trifft es wieder einmal diejenigen, die eh nicht viel Geld haben, am härtesten. Auch die schulischen Leistungen sind an den Geldbeutel der Eltern gekoppelt. Hat man nicht das Glück, ein geborenes Genie zu sein, kommt man der Geschwindigkeit, in der Lerninhalte in uns hereingepresst werden, nicht so einfach nach. Für die, die es sich leisten können, gehört daher Nachhilfe in den verschiedensten Fächern bereits zur Pflichtübung, alle anderen bleiben auf der Strecke.

Studiengebühren, Fahrscheine, Lehrbücher und was sonst noch so anfällt: als Student*In müsste man eigentlich reich sein. Da ist es kein Wunder, dass lediglich rund 8% der Studierenden aus Arbeiterfamilien kommen. Aber man braucht eben nur eine überschaubare „akademische Elite“ und über hohe Kosten kann man den Rest eben immer noch am leichtesten von den Hochschulen fern halten. Das schaffen nur die, die nicht viel fragen, sondern immer bereitwillig ihr Bestes geben, und genau die braucht die Wirtschaft ja auch.

Der/Die Azubi bekommt Geld für seine/ihre Arbeit? Auch da müssen wir genauer hinschauen. Einige Ausbildungen sind mittlerweile komplett schulisch und statt Lohn zu erhalten, müssen die Azubis monatlich nicht gerade niedrige Summen zahlen, um ihre Ausbildung überhaupt machen zu dürfen. Alle anderen arbeiten meistens nach kurzer Zeit fast wie ein normale*r Mitarbeiter*In, schaffen also ebenso Profit für die Unternehmer*Innen, bekommen aber einen noch geringeren Lohn als die restliche Belegschaft. Diese Bedingungen finden sich später in Leih- und Zeitarbeit wieder. Außerdem müssen sie auch oft noch ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten und unbezahlte Überstunden ableisten. Das Mittel, mit dem gerade in kleineren Betrieben alles durchgedrückt wird, ist die Hoffnung auf eine Übernahme…
Leidest auch du unter steigendem Konkurrenz – und Leistungsdruck?

Dass die Schule, wie wir sie kennen, aussortiert, wissen wir alle. Doch wo bleiben wir in diesem Spiel? Der Lehrplan fragt nicht nach individuellen Fähigkeiten oder Interessen, doch nicht alle lernen gleich schnell oder auf die gleiche Art und Weise. Und in einer Klasse mit 30 Leuten kann auch der/die engagierteste Lehrer*In nicht auf alle eingehen. Da sie dem Leistungsdruck nicht standhalten können und das Klassenklima vermehrt durch Konkurrenz geprägt ist, leidet ein Drittel aller Schüler*Innen in Deutschland unter Depressionen. Am krassesten kommt dies in den Förderzentren zum Ausdruck. Hier werden die Kinder reingesteckt, bei denen die Lehrkräfte denken, dass es besser für sie sei. Doch daraus entsteht soziale Ausgrenzung und Isolation. Ca. 80 – 90% der Schüler*Innen an einem Förderzentrum stammen aus sozial schwachen Familien. In der öffentlichen Meinung sind diese Zentren immer noch „Sonderschulen“ und ihre Schüler*Innenschaft die „Dummies“, die „sogar für die Hauptschule zu blöd sind“.

In der Hochschule sieht es nicht sehr viel besser aus: Selektion findet schon statt, bevor wir überhaupt angefangen haben zu studieren. Durch den G8-Doppeljahrgang ist es in diesem Jahr besonders drastisch. Zulassungsbeschränkungen werden verstärkt und im Ringen um jeden einzelnen Studienplatz gehen viele leer aus. Wenn man erst einmal einen Platz ergattert hat, lernt man auch prompt das Studentenleben von seiner neuen Seite kennen: In überfüllten Hörsälen, immer mehr Prüfungsstoff in immer kürzerer Zeit lernen, nebenbei arbeiten gehen – und das alles innerhalb der neuen verkürzten Regelstudienzeiten. Nur die Besten ihres Jahrgangs haben die Möglichkeit, ihre Gebühren zurückzubekommen und für die Masterstudiengänge zugelassen zu werden.

Ein Ausbildungsplatz ist jedoch auch nicht selbstverständlich. Viele schaffen es erst gar nicht, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. In den vergangenen Jahren landeten jedes Jahr fast 400 000 Jugendliche nach der Schule in Warteschleifen und schulischen Maßnahmen. Und die Konkurrenz steigt. Gerade nach der Abschaffung der Wehrpflicht und nach dem Doppeljahrgang G8/G9 drängen immer mehr junge Menschen gleichzeitig in das Rennen um Ausbildungsplätze. Verlierer*Innen sind vor allem diejenigen von uns, die keinen höheren Abschluss haben. In fast allen Ausbildungsberufen wird mindestens ein Realschulabschluss verlangt, da die Arbeitgeber*Innen die freie Auswahl Ihrer Azubis haben.
Kannst auch du nichts mitentscheiden?

Mit der Schülermitverantwortung (SMV), die als Bindeglied zwischen Schüler*Innen und Schulverwaltung agieren sollte, wird den Schüler*Innen Mitbestimmung vorgegaukelt. Doch wenn es um für Schüler*Innen wichtige Entscheidungen geht, wie z.B. die Lehrpläne oder Einstellungen neuer Lehrer*Innen, ist es mit der Mitbestimmung aus.

Auch den Studierenden wird das Recht auf Mitbestimmung verwehrt. Zwar werden Studierende mit Ämtern, Wahlen, Studierendenparlamenten, Konvent etc. hingehalten. Die wirklich wichtigen Entscheidungen werden allerdings auf Ebenen getroffen, auf denen die Studierenden zahlenmäßig gnadenlos unterlegen sind. Hinzukommt, das in Bayern eine Verfasste Studierendenschaft verboten ist.

Dass es mit der betrieblichen Mitbestimmung nicht weit her ist, weiß wohl jede*r, der*die schon einmal gearbeitet hat. Für Azubis ist die Lage noch ein wenig prekärer. In Betrieben herrschen oftmals sehr willkürliche Bedingungen: kein Ausbildungsvertrag, unbezahlte Mehrarbeit, ausbildungsfremde Tätigkeiten und natürlich kein Betriebsrat, der wenigstens versuchen könnte, diesen Missständen etwas entgegen zu setzen. Stattdessen wird Azubis oft sogar das gesetzlich garantierte Recht zu streiken abgesprochen. Ihnen wird mit Sanktionen bis hin zur Entlassung gedroht und bei den momentanen Perspektiven hat die Aussicht auf eine Übernahme schon so manchen Missstand hinnehmen lassen.
Was hat denn die Bundeswehr mit Bildung zu tun?

Tag der offenen Tür bei den Gebirgsjägern: Da dürfen Minderjährige Schüler*Innen auch schon mal an die Waffen. Ein Skandal nach dem anderen hat der Bundeswehr kein besseres Image eingebracht. Und dabei haben sie ein echtes Nachwuchsproblem: Obwohl die 94 speziell geschulten Jugendoffizier*Innen der Truppe und eine nicht unerhebliche Anzahl von Wehrdienstberater*Innen im vergangenen Jahr über 10.000 Mal an Schulen geworben und die neue Freiwilligenarmee angepriesen haben, ist die Haltung der Schülerinnen und Schüler gegenüber den Streitkräften gleich ablehnend geblieben. Das geht zumindest aus dem Jahresbericht der Jugendoffiziere hervor. Doch da die herrschende Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung ihre wirtschaftlichen Interessen auf der ganzen Welt mit aller Gewalt durchsetzen will, wird die Werbung um menschliches Kanonenfutter an den Schulen trotzdem nicht einfach von selbst aufhören. Dies zeigt sich auch am Beispiel des Afghanistan-Einsatzes, den regelmäßig über 60% der Bevölkerung ablehnt. Die Bundeswehr nutzt die Perspektivlosigkeit vieler Jungendlicher, um sie mit finanziellen Anreizen zum Dienst an der Waffe zu ködern.

Die Forschungen an Technologien für Kriege werden an Hochschulen vorgenommen, indem die Bundeswehr Forschungsaufträge an sie vergibt. Sie unterhält allerdings auch eigene Institute und Hochschulen für diesen Zweck. Für diese wirbt sie mit kostenlosem Studium und guten Jobchancen. Somit wird die Lage derer, die sich ein Studium nicht leisten können, genutzt, um sie als Koordinatoren und Helferlein für Krieg und Massenmord einzuspannen.

Die Bundeswehr als ideale*r Arbeitgeber*In? Nicht nur an Schulen, sondern auch an Job-Centern und Berufsinfotagen präsentiert sich die Bundeswehr all jenen, die gerade auf verzweifelter Suche sind. Die Bundeswehr präsentiert ihre Jobs als krisensicher und gut bezahlt, aber wie kann ein Lohn hoch genug sein für den Einsatz des eigenen Lebens in Afghanistan, Äthiopien oder sonst wo? Die Bundeswehr ist im Einsatz und da müssen diejenigen auch hin, die sich verpflichten lassen. Sie sollen dem Leid der Menschen dort mit der Waffe in der Hand begegnen und selbst ihr Leben für einen Staat geben, der für sie keine bessere Option bieten wollte.

Nur ein Zahnrad im System

Worauf das alles abzielt, haben wir schon verstanden: wir sind Humankapital. Wir sollen wirtschaftlich verwertbar gemacht werden und als Profitquelle dienen. Wir sollen uns der Wirtschaft anbiedern. Wenn sie uns gerade nicht braucht, sollen wir zurückstecken und still bleiben, bis sich jemand unsere Arbeitskraft ausleiht oder uns doch jemand ein Praktikum machen lässt, für das wir in den seltensten Fällen Geld bekommen. Zusätzlich wird die Schul- und Studienzeit ständig weiter verkürzt.
Die Jugendarbeitslosigkeit in der EU steigt seit der Wirtschaftskrise rapide. Zwar sehen die Zahlen für Deutschland auf den ersten Blick nicht sonderlich besorgniserregend aus, dennoch trügt dieses Bild. 9,1% Jugendarbeitslosenquote[1] – wenn man den offiziellen Zahlen glauben kann – ist zwar nicht hoch im Gegensatz zu 45% in Spanien. Nicht mitberücksichtigt ist jedoch, dass Jugendliche zwischendurch öfter arbeitslos oder unsicheren und schlechten Arbeitsbedingungen – wie Leiharbeit – ausgesetzt sind. Und es trifft uns alle: Auch diejenigen, die es zu einer Arbeit schaffen, sehen sich ein Leben lang – mittlerweile bis 67 Jahre – mit den Erfordernissen der Lohnarbeit, z.B. sinkenden Löhnen, konfrontiert.
Was tun?

Wir haben nur eine Möglichkeiten: Uns zusammenschließen und gemeinsam gegen die Probleme kämpfen, die zwar konkret jeden anders betreffen, aber auf uns alle die gleichen Auswirkungen haben. In anderen Ländern wird es uns schon vorgemacht: In Frankreich haben sich die arbeitende und lernende Jugend gegen endlos lange Probearbeitszeiten gewehrt, die dem*der Arbeitgeber*In erlauben sollten, junge Leute auch noch nach drei Jahren ohne Grund zu entlassen. Mit den Kämpfen der Jugend solidarisierte sich fast das ganze Land und so konnte der Gesetzesentwurf gekippt werden. In Griechenland werden die Auswirkungen der Krise auf die Mehrheit der Menschen abgewälzt. Das passiert so auch in Deutschland, jedoch ist die Antwort der Griech*Innen nicht Verzicht, sondern die Einsicht, für die eigenen Interessen kämpfen zu müssen, weil diese mit den Mächtigsten im Land
unvereinbar sind.
In Chile und England gingen die Lernenden auf die Straße, um für eine Verbesserung ihrer Situation zu kämpfen. Sie trafen auf eine Staatsgewalt, die ihre Bedürfnisse ignoriert, und denjenigen, die aktiv etwas verändern wollen, mit Gummigeschossen, Knüppeln und Wasserwerfern antwortet. Auch in den Bildungsstreiks hier in Deutschland haben wir erfahren müssen, dass Repression oft die einzige Antwort derer ist, die am längeren Hebel sitzen: ob Verweise von konservativen Rektor*Innen, die Verurteilung durch die Politik als unpolitische Schulschwänzer oder Einschüchterungsversuche durch die Polizei. Doch wir lassen uns nicht unterkriegen:
Wir wissen, was wir tun und wir haben erkannt, dass die aktuelle Politik nur um unsere Wählerstimmen buhlt, aber in Wirklichkeit gegen unsere Interessen regiert. Deshalb haben wir uns entschlossen, uns zu wehren, zu streiten, zu streiken und zu kämpfen!
Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der wir uns frei entfalten können, statt bloß zu verwertbaren Arbeitskräften geformt zu werden.
Für eine Gesellschaft, in der wir über den gesellschaftlichen Reichtum bestimmen, statt bloß für den Profit der Unternehmen zu schuften.
Für eine Gesellschaft, in der wir über unsere Lebens-, Lern- und Arbeitsbedingungen selbst entscheiden, und in der wir die Politik nach unseren Interessen gestalten.

Warum dieser *?
Wir wollen ja den Menschen selbst bestimmen lassen, welches Geschlecht es, er oder sie ist.

[1]: Eurostat. Statistisches Bundesamt/Eurostat, Stand Juli 2011

Termine:
Demo in Nürnberg, 11.30 Uhr am Kornmarkt
Nacht-Demo um 17.30
Dazwischen Programm